Ein römischer Kriegsgott und das Schlachtfeld der Gesundheit (Kurzfassung)


Die CSJ will die kontroversen Diskussionen bezüglich der geplanten Gesundheitsreform zum Anlass nehmen, um auf die grundsätzlichen Missstände unseres Gesundheitssystems aufmerksam zu machen. Zunächst fordern wir den Minister dazu auf, das derzeitige Gesetzesprojekt so umzugestalten, dass vorerst lediglich die mittelfristige Finanzierbarkeit des Systems gewährleistet bleibt. In einer weiteren Phase sollte er dann sein Schlachtfeld verlagern und sich zurück an die Fleißarbeit einer richtigen Reform begeben. Es gilt, den Rückstand der vergangen 6 Amtsjahre durch Blut, Mühe, Schweiß und Tränen wieder aufzuholen! Als CSJ wollen wir ihm hierzu einige Grundideen mit auf den Weg geben:

  • Paradigmenwechsel im Gesundheitssystem. Der technische Fortschritt in der Medizin, der Einfluss der Medizinindustrie auf alle Bereiche des Gesundheitswesens und die gewachsenen Ansprüche der Patienten an das medizinische Angebot machen es notwendig, das Ausmaß der solidarisch finanzierten Leistungen neu zu definieren. In der Tat fordern wir, dass die Gesundheitskasse ihren Leistungskatalog auf medizinisch notwendige und evidenzbasierte Leistungen fokussiert, und dass neben dem solidarischen Finanzierungsmodell ein privates Zusatzversicherungssystem etabliert wird, welches alle weiteren Leistungen übernimmt. Dementsprechend würden die Beitragssätze zur gesetzlichen Versicherung nach unten revidiert werden, während die Beiträge für Zusatzleistungen ihrem gewünschten Ausmaß gemäß steigen würden.
  • Die Schaffung von Kompetenzzentren so wie im Gesetzesprojekt vorgeschlagen, ist sicherlich eine gute Idee. Sie muss allerdings vor dem Hintergrund der Praktizierbarkeit in einem System betrachtet werden, welches mit weniger als einer Million Versicherten in vielen Fällen nicht die notwendige kritische Masse für eine Zentrumsmedizin aufbieten kann. Das Konzept sollte deswegen als Diskussionsgrundlage in einem gründlichen Reformprojekt dienen, und nicht halbherzig, wie jetzt, nur des wohl klingenden Schlagwortes wegen, angewendet werden.
  • Gleiches gilt für die Referenzärzte und die elektronische Patientenakte, die an und für sich gute Ansätze bieten, derzeit aber unausgegoren verbreitet werden und erst in einem gründlich erarbeiteten Gesamtpaket ihren rechten Platz finden müssen.
  • Sträflich vernachlässigt wurde im aktuellen Gesetzesprojekt insbesondere die koordinierte Erfassung und Auswertung der Krankheiten und ihrer Behandlungen in Luxemburg. Deshalb bedarf es unbedingt der Schaffung einer Verwaltung, die Krankheiten nach der internationalen Klassifikation (ICD) ordnet und auswertet, sowie der Reform der Nomenklatur der ärztlichen Tätigkeiten, die eine differenzierte Zuordnung von Krankheiten und Behandlungen möglich machen sollte.
  • Außerdem erscheint uns wichtig, auch in Luxemburg, nach dem Vorbild unserer Nachbarländer, die Weiter- und Fortbildung der Ärzte aktiv zu fördern. Um zu gewährleisten, dass die im luxemburgischen Gesundheitssystem etablierten Ärzte auf dem letzten Stand des medizinischen Wissens sind, sollte eine obligatorische medizinische Fortbildung eingeführt werden.

Um schließlich auch in den kommenden Jahrzehnten auf exzellent ausgebildete Ärzte zurückgreifen zu können, wünscht sich die CSJ unbedingt, dass der luxemburgische Staat sich vermehrt um die Medizinstudenten und jungen Ärzte in der Weiterbildung kümmert.Es ist unserer Meinung nach notwendig, den werdenden Ärzten während Studium und Ausbildung zur Seite zu stehen, damit sie fundiert ausgebildet werden. So kann garantiert werden, dass sie später bestmöglich dem Gesundheitssystem Luxemburgs und seinen Patienten dienen.

Als CSJ erheben wir mit diesem Kommentar zum aktuellen Reformprojekt des Gesundheitsministers auf keinen Fall den Anspruch, dieses äußerst komplexe Thema ausschöpflich behandelt zu haben. Angesichts der gravierenden Mängel des Vorhabens sehen wir es jedoch als unsere Pflicht an, auf die Kernaspekte hinzuweisen. Wir wünschen uns, dass der sozialistische Minister sich seiner Verantwortung stellt, und endlich die überfälligen Reformen des luxemburgischen Gesundheitssystems unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit angegangen werden. Denn schließlich geht es darum, dass wir und unsere Nachgeborenen auch in 30 Jahren noch von unserem bis dato so gelobten System profitieren können.

Mitgeteilt vom CSJ-Nationalvorstand