Jugend ohne Arbeit


Im August 2009 waren 14.234 Personen in Luxemburg auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Unter ihnen befanden sich rund 2.200 Arbeitssuchende unter 26 Jahren. Das sind zweifelsohne zu viele Jugendliche. Wieso aber finden ausgerechnet junge Menschen nach ihrem Schulabschluss keine Arbeit, wo doch unser Land jedes Jahr einige tausend neue Arbeitsplätzen schafft? Wohlwissend dass, selbst der luxemburgische Wirtschaftsmotor in der augenblicklichen globalen Krise mächtig ins Stocken geraten ist und die atypische Arbeitsmarktsituation noch verschärft, ist der Mangel an verfügbaren Arbeitsplätzen nicht des Pudels Kern der Jugendarbeitslosigkeit. Und sogar wenn die Ursache für diese soziale Pathologie vielschichtiger Natur ist, so sticht doch ein Symptom deutlich hervor: der Ausbildungsmangel.

Tatsächlich können 90% der jugendlichen Arbeitslosen nur eine Bildungsreife vorzeigen die sich zwischen der obligatorischen Schulzeit und dem Abitur einpendelt. Gleichzeitig setzen jedoch über 50% der geschaffenen Arbeitsplätze einen Hochschulabschluss voraus. Zwischen diesen beiden Prozentsätzen, die sich regelrecht diametral gegenüber stehen, herrscht demnach ein Ungleichgewicht. Experten sprechen von einer “Inadäquation” zwischen der Nachfrage der Arbeitgeber und dem Angebot der Arbeitnehmer. In anderen Worten, die überwiegende Mehrzahl der Jugendlichen kann mangels an Qualifikation nicht auf die offenen Stellenangebote vermittelt werden. Die unweigerliche Folge davon ist eine hohe Quote an Jugendlichen die keinen Arbeitsplatz finden.

Um die Jugendarbeitslosigkeit langfristig in den Griff zu bekommen, ist es dementsprechend wichtig dafür zu sorgen, dass die Jugendlichen die jedes Jahr von der Schulbank auf den Arbeitsmarkt drängen, über die nötigen Kenntnisse und Kompetenzen verfügen. Demzufolge muss die Reform des luxemburgischen Bildungssystems konsequent weitergeführt werden. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei der zu großen Anzahl von Schulabbrechern sowie der mäßigen Berufsorientierung gelten, da beide mitverantwortlich für die zu hohe Jugendarbeitslosenquote zeichnen. Auch in Krisenzeiten gilt nach wie vor, dass ein Schulabschluss mit Diplom der beste Schlüssel zum Eintritt in die Arbeitswelt ist. Nichtsdestoweniger werden aber noch einige Jahre ins Land ziehen bis dass, die ersten Früchte einer tiefgründigen Reform des Schulwesens geerntet werden können.

Bis zu dem Zeitpunkt werden weiterhin Monat für Monat zu viele Jugendliche beim Arbeitsamt vorstellig werden. Um diesen Jugendlichen die Möglichkeit auf einen festen Arbeitsvertrag zu bieten, hat die vorherige Regierung unter dem Impuls vom ehemaligen Arbeitsminister, die bestehenden Beschäftigungsmassnahmen überarbeitet. So wurde der Akzent nicht nur auf eine aktive, individualisierte Betreuung und Vermittlung der jugendlichen Arbeitslosen gelegt sondern vor allem auf praxisorientierte Ausbildungsmassnahmen, an deren Ende für den Arbeitssuchenden eine realistische Aussicht auf eine Festanstellung besteht. Dank dieser Bestimmungen werden die Jugendlichen nicht im Regen stehen gelassen sondern sie bekommen die Gelegenheit den Sprung auf den Arbeitsmarkt doch noch zu bewältigen. Nur so kann verhindert werden, dass Jugendliche dauerhaft, in prekäre Verhältnisse und somit in die Perspektivlosigkeit abzurutschen drohen.

Insofern ist die Entscheidung der neuen Regierung, die Beschäftigungsmassnahmen in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld, zeitlich begrenzt auf gut ausgebildete Schul- und Studienabgänger auszuweiten, explizit zu begrüssen.

Serge Wilmes, Präsident der Christlich Sozialen Jugend (CSJ)