Über die hohe Kunst des Debattierens


alt“Wir sind kein Jugendclub, der sich nur für die Interessen der Jugendlichen einsetzt. Wir beziehen zu allen Themen Stellung”, umreißt Präsident Serge Wilmes die Philosophie der Christlich-Sozialen Jugend. Insgesamt sechs Kandidaten schickt die CSJ bei den Parlaments- und bei den Europawahlen am 7. Juni ins Rennen.

Dass lediglich sechs CSJ-Mitglieder einen Listenplatz ergattert haben, hat laut Präsident Wilmes eine klare Ursachen: “Bei der CSV handelt es sich um eine große Volkspartei, die problemlos mehrere Listen füllen könnte. Bei der Auswahl der Kandidaten muss man Sorge tragen, dass die Listen auch ausgeglichen sind.” Dass die CSV weniger Nachwuchspolitiker ins Rennen schickt als andere Parteien, dieses Argument lässt Wilmes denn auch nicht gelten. Schließlich gehe es nicht nur um nackte Zahlen.

Dem CSJ-Vorsitzenden ist vor allem die Dynamik seiner Mannschaft wichtig. “In den letzten Monaten hat sich ein Generationswechsel vollzogen. Und mit der neuen Generation hat auch ein neuer Wind Einzug in die CSJ gehalten.” Dieser Wandel hat denn auch dazu geführt, dass sich 2008 knapp 90 neue Mitglieder bei der Jugendorganisation eingefunden haben. Insgesamt zählt die CSJ heute etwa 1 000 Mitglieder. Dass einige ganz junge Interessenten den Weg zur CSJ gefunden haben, freut den Vorsitzenden ganz besonders.

Kein Jugendclub

Allerdings will man sich bei der CSJ nicht auf eine Interessenvertretung für Jugendliche reduzieren lassen: “Wir sind kein Jugendclub, der sich ausschließlich für die Belange der Jugendlichen einsetzt. Die Christlich-Soziale bezieht zu allen möglichen Themen Stellung. Wir setzen uns genauso gut mit der Wirtschaftskrise auseinander wie mit dem Rentensystem.” Bei der CSJ versteht man sich deshalb eher als eine Art “Think Tank”. Nur so könne man als Nachwuchstalent die etablierten Parteigänger, aber auch die Wähler, von der Kompetenz der Jugend überzeugen, argumentiert Serge Wilmes.

Auch wenn die CSJ im Gegensatz etwa zu den Jonk Gréng kein eigenes Wahlprogramm ausgearbeitet hat, so hat die Mannschaft um Serge Wilmes dennoch ihre eigene Ideen. In einigen Punkten geht die Christlich-Soziale Jugend eindeutig einen Schritt weiter als die Mutterpartei. Etwa beim Thema Integration. “Wenn das Zusammenleben auf Dauer gelingen soll, müssen wir den Ausländern mehr Rechte einräumen”, unterstreicht der CSJ-Präsident. Ein nicht-luxemburgischer Bürgermeister oder ein Schöffe ist denn auch für die CSJ kein Tabu, vorausgesetzt er oder sie verfügt über genügend Luxemburgisch-Kenntnisse.

Keine Berührungsängste kennt die CSJ auch bei anderen gesellschaftspolitischen Themen. Anstatt sich von den anderen Jugendparteien das Wasser abgraben zu lassen, will die CSJ klar Stellung beziehen. Etwa beim Werteunterricht: “Jeder Schüler hat die Wahl zwischen Religions- und Moralunterricht”, erklärt Wilmes. Dass man die Religion auf die Privatsphäre beschränken sollte, hält er für keine sehr gute Idee.

Bildung der Jugend

Ein “klassisches” Jugendthema liegt dem christlich-sozialen Nachwuchs dann doch ganz besonders am Herzen: die politische Bildung der Jugend. In den Augen der CSJ ist es keinesfalls damit getan, das Wahlalter von heute 18 auf 16 Jahre zu senken. Um das Interesse der Jugendlichen an der Politik zu wecken, sollte man so früh wie möglich mit der politischen Bildung beginnen, fordert die Christlich-Soziale Jugend nicht erst seit diesem Wahlkampf.

Die Bürgerkunde, so wie sie im Moment in den Schulen vermittelt wird, hält Serge Wilmes für un-zureichend. Doch es geht ihm nicht nur darum, den Jugendlichen zu vermitteln, wie der Staat im Detail funktioniert. Er vermisst vielmehr die Kultur des Debattierens: “Die Jugendlichen müssen wieder lernen, wie man mit guten Argumenten ein Streitgespräch führt.”

Mit Fabienne Gaul, die seit dem 10. Februar dieses Jahres dem Parlament angehört, zählt die CSJ zur Zeit eine Abgeordnete in ihren Reihen. Nach den Erfolgsaussichten der CSV-Jugendorganisation bei den Wahlen im Juni befragt, meint Wilmes: “Wir hoffen, dass wir unseren Sitz in der Abgeordnetenkammer verteidigen können. Alles was darüber hinausgeht, wäre ein Riesenerfolg.” Doch auch wenn CSJ-Mannschaft keinen weiteren Sitz erringen kann, ist dies für ihren Vorsitzenden kein Beinbruch. “Wir werden dann die kommenden fünf Jahre nutzen, um mit fundierter politischer Arbeit auf uns aufmerksam zu machen.”

Quelle: Über die Hohe Kunst des Debattierens, Danielle Schumacher, in: Luxemburger Wort, Ausgabe vom 16.04.09, S3.