Sich selbst treu bleiben



Eine politische Jugendorganisation sucht ihren Weg. Wort-Gespräch mit CSJ-Generalsekretär Serge Wilmes.

Im Oktober 2006 war die neue CSJ-Führungsriege mit dem Anspruch angetreten, der Jugendorganisation eine neue Dynamik zu verleihen. Ein halbes Jahr später ist die Begeisterung bei Serge Wilmes ungebrochen. Obwohl der junge Generalsekretär mit dem gebotenen Realismus einräumen muss, dass sich in einem Halbjahr keine Welten bewegen ließen.

Als Serge Wilmes sich im vergangenen Oktober zum Generalsekretär wählen ließ, tat er dies mit dem erklärten Ziel, die CSJ aus der Lethargie der Vergangenheit zu lösen. Heute meint der junge Historiker, dass der neuen Führungsriege dies in den vergangenen sechs Monaten durchaus gelungen sei.

Für den Einwand, dass die neue Umtriebigkeit der CSV-Parteijugend in der Öffentlichkeit zunächst kaum auffiel, führt der Generalsekretär verschiedene Argumente an. So seien womöglich einige Stellungnahmen nicht genügend beachtet worden. Auch verfüge die CSJ über zu wenig Mitarbeiter, um sich ständig zum politischen Tagesgeschehen zu Wort zu melden. Davon mal abgesehen, dass es der CSV-Parteijugend nicht um die Kritik um der Kritik willen gehe, wie sie bei der Kontroverse um das Gesetzesprojekt 5611 belegt habe. Nach wie vor ist Wilmes davon überzeugt, dass seine Vereinigung sich damals korrekt verhalten habe. Man habe nun einmal den Standpunkt vertreten, dass die Regierung mit dem Entwurf den richtigen Weg im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit eingeschlagen habe.

Unüberprüft durchgehen lassen will die CSJ die Ausführung des Gesetzes dennoch nicht: Bereits im Herbst will man Bilanz der Passagen ziehen, gegen die im November 2006 mehr als 5 000 Jugendliche vor dem Arbeitsministerium demonstrierten. Wobei Wilmes sich sicher ist, dass sich eine Mehrheit der Demonstranten von einigen politischen Jugendorganisationen instrumentalisieren ließ. Wie lasse sich sonst erklären, dass sich die Aufregung um das Gesetzesprojekt so schnell gelegt habe?

Schwierig junge Leute an Politik heranzuführen

Als Beweis für die Politikbegeisterung der Jugend will Wilmes die Anti-5611-Bewegung jedenfalls nicht interpretieren. Nicht nur der CSJ, auch den übrigen politischen Jugendorganisationen falle es schwer, die jungen Leute an die Politik heranzuführen. “Weil sie nach wie vor als zu kompliziert und zu abstrakt angesehen wird”, mutmaßt der CSJ-Generalsekretär. Am meisten stört es Wilmes daher, dass die Jugendparteien über keine geeignete Plattform verfügten, um die jungen Leute anzusprechen. Der Weg in die Schulen sei ihnen verwehrt, und auch bei den Medien fänden sie zu wenig Gehör.

Abschrecken lassen will sich die CSJ von diesen Hindernissen nicht. Man wolle verstärkt den Dialog mit der Öffentlichkeit suchen, auch wenn man sich noch nicht sicher sei, wie dies am besten gewährleistet werden könne. Einigen Erfolg verspricht sich Serge Wilmes von einer neu gestalteten CSJ-Internetseite, über die man politische Themen jugendgerecht aufbereiten will – zum Beispiel über kurze Videosequenzen. Nicht vergessen hat man bei der CSJ natürlich auch die versprochene Kampagne “Focus Jonk”, deren erste Phase in den kommenden Monaten starten soll und mit der man nicht nur neue Mitglieder gewinnen, sondern auch in Erfahrung bringen will, wo den Jugendlichen eigentlich genau der Schuh drückt.

Bei diesen Plänen kann sich Serge Wilmes des Rückhalts der Mutterpartei gewiss sein. In der CSV sei man ganz froh über den neuen Elan der Parteijugend. “Die Beziehungen sind ausgezeichnet”, stellt der junge Generalsekretär fest. Was aber nicht bedeute, dass die CSJ sich auf immer auf eine gemeinsame Linie einbeschwören lasse. “Die Hauptsache ist doch, wir bleiben unseren eigenen Überzeugungen treu”, resümiert Wilmes. Meinungsverschiedenheiten innerhalb der christlich-sozialen Familie könnten nicht auf ewig ausgeschlossen werden, zum Beispiel wenn es um die Bildungspolitik oder den Ausweg aus der Wohnungsmisere gehe.

Quelle: D’Wort, 31. Mai 2007, Joëlle Merges