CSJ – Norden


Kürzlich teilten die Verantwortlichen des “Centre Hospitalier Neuropsychiatrique” (CHNP) in Ettelbruck mit, dass in den kommenden Jahren die Psychiatrie in Luxemburg neu organisiert und dezentralisiert werden soll.

Reaktion der CSJ-NordenHerber Rückschlag für die Nordstadt

Sinnvolle Dezentralisierung
Ettelbruck wird mittelfristig seine Monopolstellung in der psychiatrischen Akutbehandlung verlieren, was auch den Wegfall von schätzungsweise 81 Betten, von aktuell 318 auf 237 im Jahr 2005 bedingt. Der Abbau von knapp 100 Arbeitsplätzen in der Region ist damit ebenfalls zu erwarten.

Neben der Saint-Louis-Klinik in Ettelbruck werden ab dem Jahr 2005, so die Planspiele, im ?Centre Hospitalier? in Luxemburg-Stadt, im neuen Kongregationsspital auf Kirchberg und im ?Hôpital de la ville d?Esch-sur-Alzette? je 45 Betten für die psychiatrische Akutbehandlung zur Verfügung stehen. Diese Dezentralisierung ist sinnvoll und wird von Seiten der CSJ Norden ausdrücklich gutgeheißen.

Umzug der ?psychiatrie spécialisée? nach Niederkorn kritisch betrachtet
Diskutabel scheint der CSJ Norden allerdings das Vorhaben, in Niederkorn ein neues, vom aktuellen CHNP geleitetes, Therapiezentrum, das ?Centre hospitalier de réhabilitation psychiatrique? (CHRP), zum Nachteil des Standortes Ettelbruck zu errichten.

Entsprechend den Erkenntnissen der sogenannten ?Häfner-Studie? sollen in Niedercorn vier verschiedene therapeutische Krankenhausdienste organisiert werden, die eine möglichst rasche Genesung der Patienten entsprechend neusten Erkenntnissen der Medizinforschung garantieren soll.
Die CSJ Norden ist der Meinung, dass der Bau eines solchen Zentrums auch in Ettelbruck, seit 1855 Standort des nationalen Zentrums für Nervenheilkunde, machbar ist.

Fadenscheinige Rechtfertigung
Wenig stichhaltig erscheit der CSJ Norden die Argumentation der zentraleren Lage Niedercorns und der Abkehr vom ?stigmatisierten? Ettelbruck.
In wenigen Jahren, bei Fertigstellung der Nordautobahn wird Ettelbruck genauso schnell und bequem erreichbar sein wie Niederkorn.
Was die Stigmata angeht, so handelt es sich hierbei um einen Schlag ins Gesicht der Ettelbrucker Bevölkerung.

Die versprochene Kompensation der über 100 wegfallenden Arbeitsplätze mit der Einrichtung des neuen Seniorenheimes ?Centre de services intégrés de soins pour seniors? (SISS) ist, zumindest auf den ersten Blick, zu begrüßen.

Problematisch erscheint der CSJ Norden aber die Wahl des Areals des CHNP als voraussichtlicher Bauort für das SISS sowie dessen Integration in die CHNP-Struktur ?Etablissement d?aide et de soins spécialisées? (EASS).

Die CSJ Norden ist der Meinung, dass die Errichtung des SISS an einem anderen Standort in Ettelbruck dadurch gerechtfertigt wird, dass Psychiatrie und Betreuung von älteren Leuten zwei im Grunde verschiedene Bereiche sind. Wohl sollte man versuchen ältere psychiatrisch erkrankte Menschen in den SISS zu integrieren, aber nicht den SISS in die Psychiatrie.

Neben der Errichtung des CHRP in der Nordstadtregion wünscht sich die CSJ Norden zusätzlich den angegliederten Aufbau eines Therapiezentrums für die in Luxemburg nach wie vor unterentwickelte Jugendpsychiatrie.

Der Standort Ettelbruck sollte zudem besser für die Aus- und Weiterbildung des Fachpersonals im therapeutischen Bereich genutzt werden. Das ?Lycée technique pour professions de santé?, das in unmittelbarer Nähe zum neuen ?Centre hospitalier du Nord? seinen Standort finden sollte, bietet sich für diese und weitere Ausbildungsgänge an.

Aufforderung an verantwortliche Politiker und Entscheidungsträger

Aufgrund der hier aufgeführten Argumente fordert die CSJ Norden den Verwaltungsrat und die ärztliche Leitung des CHNP sowie den Gesundheitsminister dazu auf, das CHRP-Projekt in seiner jetzigen Form noch einmal zu überarbeiten.

An die Gemeindeverantwortlichen und regionalen Abgeordneten ergeht von Seiten der CSJ Norden die Aufforderung, ihr verfügbares politisches Gewicht in die Wagschale zu werfen, damit ein wichtiges Arbeitsplatzangebot, wenn auch nicht unbedingt in Ettelbruck, so doch zumindest in der Region ansässig bleibt.

Allein der CSV-Deputierte Marco Schank hat für seine Partei vor einigen Tagen in einer parlamentarischen Anfrage an den Gesundheitsminister Klarheit über die Umstände des Umzugs erbeten.